Tagebuch Woche 16+17+18+19+20

Oh mein Gott, ich bemerke gerade, dass ich über einen Monat nichts in mein Tagebuch geschrieben habe. Inzwischen haben mich schon zwei Leute darauf aufmerksam gemacht und es freut mich, dass es auffällt. Ich wünschte ich könnte jetzt sagen, dass ich ein tolles Erlebnis nach dem anderen hatte und deshalb keine Zeit hatte, dem ist aber nicht so. Ich war eingedeckt mit Arbeit und außerdem bin ich etwas eingerostet, was meine Aktivitäten anbelangt. Ich habe mich isoliert, was mir selbst gar nicht gut getan hat. Aber jetzt von Anfang an:

Nachdem das Wochenende der KW 15 sehr melancholisch ausgeklungen ist, habe ich meine Gedanken auf meine Arbeit fokussiert. Montag habe ich schließlich die Fotos der Surfing Turtle Lodge selektiert und bearbeitet. Den Nachmittag habe ich im Garten verbracht. Einige Pflanzen brauchen inzwischen meine volle Aufmerksamkeit. Sie wachsen stetig und sind teilweise nicht stabil genug. Ich musste eine Konstruktion für Tomaten, Paprika und Spinat bauen. Abends bin ich mit Kate, Rolando und Manny in die Kakerlake eine Bohnensuppe essen gegangen. Ich kannte Rolando schon vom Studienzentrum, da er dort als Dolmetscher für die StudentInnen gearbeitet hat. Manny jedoch noch nicht. Wir sind anschließend ins Vía Vía und haben auf dem Weg ein Herz auf der Straße gefunden. Mit Manny hatte ich ein interessantes Gespräch über “Cheleros”. So werden Einheimische genannt, die vorwiegend Touristinnen mit dem Grundsatz “Was schaut für mich dabei raus?” aufreißen. Manny ist sehr direkt und hat auch gleich zwei Gruppen von Cheleros analysiert, die “Einfachen” und die “etwas Intelligenteren”. Die erste Gruppe zielt vorwiegend auf Getränke, Essen und schnellen Sex ab, die zweite Gruppe geht die Sache etwas größer an und lässt sich Reisen innerhalb und außerhalb Nicaraguas bezahlen und bei großem Erfolg schaut sogar ein Visa für das bevorzugte Land heraus. Einige meiner nicaraguanischen Freunde haben den Absprung geschafft und sind inzwischen verheiratet und leben in Europa oder den Staaten. Manny prophezeit aber allen das gleiche Ende, denn die meisten von ihnen sind schneller wieder in Nicaragua als man bis 3 zählen kann. Seine Theorie ist, dass die jungen und unerfahrenen Mädels, meist Anfang 20, während ihres Aufenthaltes in Nicaragua nicht sehen, welch’ einen Pappenheimer sie sich aufgerissen haben. Nach der Rückkehr ins eigene Heimatland mit dem Lover beginnt der schwierige Teil, die Latinlover finden nur schwer Arbeit und müssen sich die viele freie Zeit irgendwie vertreiben. Nach einiger Zeit wird nur noch eine Sache bezahlt: Das Rückflugticket. In den letzten 6 Jahren habe ich so einige Geschichten gesehen und erlebt, die könnten ein Buch füllen.

In der KW 16 war ich jeden Tag im Studienzentrum und habe Vorlesungen besucht. Ebenso war ich bei allen Gastvorträgen, welche abends stattgefunden haben. Kate und ich haben dazwischen die meiste Zeit zusammen verbracht. Wir waren quasi unzertrennlich. Ein Student hat sogar das Gerücht verbreitet, dass wir ein Paar seien. Das hat uns sehr amüsiert. Leider war es die letzte Woche dieses Semesters. Ich hätte mir nie gedacht, dass mir die Uni so abgehen würde. Es war einfach herrlich mich mit den StudentInnen auszutauschen und wieder über Gender- und Kulturthemen zu diskutieren.
Eine Studentin hat eine weniger erfreuliche Beobachtung während ihrer Freizeit gemacht. Sie hat gesehen, wie ein etwas älterer Tourist drei verschiedene Minderjährige im Laufe eines Tages mit auf sein Zimmer genommen hat. Dass dies in Nicaragua generell ein Problem ist, weiß ich seit dem Noel seine Bachelorarbeit darüber geschrieben hat. Vorwiegend passieren diese Vorfälle aber in Granada, dass dies jetzt in León ebenfalls Thema wird, hat uns sehr schockiert. Die Studentin hat Kate und mich gefragt, was jetzt zu tun sei, ob man zur Polizei gehen und es melden soll. Ich habe sofort Noel kontaktiert und ihn gefragt. Er kennt die Besitzerin des Hotels und meinte, dass sie sehr streng sei bezüglich Sextourismus mit Minderjährigen und wir sollten direkt mit ihr sprechen. Also hat Kate ihr eine Nachricht geschickt und einen Tag später hatten wir ein Gespräch mit ihrem Anwalt. Zufälligerweise kenne ich den Anwalt seit einigen Jahren. Er ist ein sehr netter Mann hat sogar einige Zeit Deutsch gelernt. Uns wurde bei dem Gespräch schnell klar, dass das Hotel die Sache sehr ernst nimmt. Wir wurden aber ein bisschen abgewimmelt mit der Feststellung, dass der besagte Hotelgast mit einem sehr jungen aber volljährigen El Salvadorianer verheiratet sei und dieser die ganze Zeit bei ihm gewesen sei. Interessant, aber wer waren dann die anderen 2 jungen Männer? Der Anwalt meinte, dass die Studentin sich getäuscht hätte und immer den gleichen Jüngling gesehen hat. Es sei ja sehr schwierig für EuropäerInnen  Latinos optisch auseinander zu halten. Die Erklärungen wurden mir irgendwann zu bunt und ich habe auf die Überwachungskameras hingewiesen, darauf würde man ja dann folglich immer den El Salvadorianer sehen. Die Studentin und ich wurden 3 Stunden später zu einem weiteren Gespräch im Hotel eingeladen, in dem wir uns das Videomaterial in einem kleinen Kämmerchen anschauen durften. Es hat eine Ewigkeit gedauert, bis wir die richtige Stelle gefunden haben. Wir sehen, wie die Studentin im Hotel beim Pool vorbeigeht, daraufhin wartet sie an der Rezeption auf ihre Bekannten. Im Anschluss daran würde der Mann mit seinem angeblichen Ehemann bei ihr vorbeigehen. Komischerweise fehlen auf dem Überwachungsvideo 30 Minuten und das Video überspringt genau die Szene, die wir sehen wollen. Der Anwalt und der Rezeptionist sagen, das muss wohl ein Fehler im System sein. Mein Gefühl sagt mir, dass hier etwas nicht stimmt. Ich weise also daraufhin, dass es ja noch 4 andere Überwachungskameras gibt, die andere Perspektiven zeigen, dann nehmen wir eben das Material von Kamera 3, die den Pool zeigt, bei dem das angebliche Ehepaar vorbeigehen musste, um das Hotel zu verlassen. Interessanterweise fehlen bei dieser Kamera 10 Minuten, die Zeitspur springt von 17:55 auf 18:05 Uhr. Die Studentin und ich wir schauen uns an und sind jetzt beide überzeugt, dass das Material absichtlich gelöscht wurde. Wir werden von dem Anwalt zurück an den Tisch gebeten. Er erklärt uns, dass er eine Investigation erst eröffnen kann, wenn WIR Beweismaterial haben und offensichtlich können WIR nichts vorlegen, das heißt, er kann in dem Fall nichts für UNS machen. Am Ende des Gespräches stellt er uns hin, als wären wir die ÜBELTÄTER. Ich weise ihn daraufhin, dass er mit seiner Handlung Menschen schützt, die das Gesetz brechen und Unzucht mit Minderjährigen treiben. Das alles nur um den Ruf des Hotels zu schützen. Unsere Absicht ist es doch überhaupt nicht das Hotel zu verteufeln. Wir wollen hilflose Kinder schützen.  Ich fühle ÄRGER, VERZWEIFLUNG und TRAURIGKEIT: Willkommen in einem korrupten Land oder sagen wir doch eher in der REALITÄT. Zum Abschluss macht er deutlich, dass auch er mit diesen Vorfällen nichts zu tun haben will und erzählt von einem Ereignis von vor 2 Jahren. Ein etwas älterer Hotelgast hat jeden Abend eine andere blutjunge Nicaraguanerin mitgebracht. Offensichtlich wären es Damen, die sich prostituiert hätten. Der Anwalt hat daraufhin den Gast zu einem Gespräch gebeten, in welchem er gesagt hat, er kann tun, was ihm beliebt, aber bitte nicht mehr in seinem Hotel.
Diese Vorfälle sind so häufig und alltäglich, dass er offensichtlich nicht einmal erkennt, warum wir so geschockt darüber sind. Aber gut, solange man von die Übeltaten nicht sieht, existieren sie nicht. Die Logik ist natürlich sehr hilfreich. Leider kann man die Ursache immer noch nicht ändern, wenn man nur Symptome behandelt.

Momentan habe ich einige Fotoprojekte am Start. Erst habe ich für den Surfwettbewerb in Las Peñitas die Surfer und die Veranstaltung dokumentiert, dann war Semana Santa (Osterwoche) und ich habe die religiösen Streuteppiche abgelichtet.

Und dann war ich mit Emma in Masaya und habe für die Entwicklungsorganisation Pro Mujer Fotos gemacht. Die Organisation hilft Frauen in Lateinamerika mittels Mikrofinanzierungs-, Gesundheits- und Humanentwicklungsdiensten den Kreislauf der Armut zu brechen. Einige Wochen später erhalte ich Nachricht vom Hauptsitz in New York. Sie lieben die Fotos und wollen in Zukunft mit mir für weitere Projekte arbeiten. Darüber freue ich mich sehr. Ein Foto wurden u.a. auf der internationalen Facebookseite von Pro Mujer mit meinem Namen veröffentlicht. Ja, ich bin ein sehr happy darüber.

Last week I took some pictures for the organization Pro Mujer in Nandasmo and la Comunidad Caña de Castilla. The NGO is…

Posted by Maggie Loves Nicaragua on Wednesday, April 12, 2017

Die Arbeit an meinem 2. Buch läuft hervorragend und ich bin dabei es bald fertigzustellen. Material habe ich inzwischen genug. Es fehlen noch ein bis zwei Kurzgeschichten, damit der Inhalt abgerundet ist. Dann möchte ich mich erneut mit Carlos Perezalonso treffen, der einen Verlag führt und es diesmal offiziell angehen. Des weiteren habe ich vor 3 Tagen Jorge Eduardo Argüello getroffen, auf seinem Arm sein zwei Monate altes Baby. Er ist übrigens Baujahr 1940. Seine Frau ist Mitte 20 und böse Zungen behaupten, es sei wahrscheinlich gar nicht sein Kind. Mario hat mich gefragt, ob es einen Bart hat wie er. Ich habe verneint, es ist doch ein Mädchen. 😉

Ansonsten ist im letzten Monat einiges auf sozialer Ebene passiert. Kates Freund, Kirk, ist auf Besuch gekommen und nach ein paar Tagen in León mit Kate nach Little Corn Island geflogen. Wir haben uns danach in Managua getroffen, um uns zu verabschieden. Sie und Kirk sind zurück nach Kanada. Es ist ziemlich schwierig sich einen Freundeskreis aufzubauen, da alle früher oder später wieder abhauen. Genauso wie ich früher. Das letzte Monat war bezüglich Freundschaften ziemlich hart. Immer noch vermisse ich Noel schrecklich. Carlos ist nach Managua gezogen. Obwohl wir gesagt haben, wir treffen uns jede Woche wurde daraus natürlich nicht viel. Ich war sogar einmal in Managua und er wollte sich nicht treffen, weil er von einer Reise zurück gekommen ist und sehr müde war. Das verstehe ich natürlich. Mir wäre es aber sogar egal gewesen, wenn er einfach geschlafen hätte. Mir fehlen meine Freunde. Das geht mir in Österreich nicht anders. Sie sind alle auf der Welt verstreut. In einem Gespräch mit Vanessa bin ich auf Ross Chapmans “Fünf Sprachen der Liebe” gestoßen. Er bezieht sich auf fünf verschiedene Beziehungssprachen, die in Freundschaften und Partnerschaften gelebt werden und die für ein “Sich-geliebt-Fühlen” verantwortlich sind:

  1. Lob und Anerkennung
  2. Zweisamkeit – die Zeit nur für dich
  3. Geschenke, die von Herzen kommen
  4. Hilfsbereitschaft
  5. Physischer Kontakt (Umarmung, Berührung,…)

Sofort als ich zu Hause angekommen bin, habe ich den Test gemacht, um herauszufinden, welcher Aspekt bei mir dominiert. Ziemlich schnell war klar, dass bei mir gemeinsame Zeit und physischer Kontakt mehr als 2/3 der Punkte einnimmt. Beide dominanten Punkte erfordern physische Präsenz, jetzt verstehe ich auch, warum ich meine Freunde so sehr vermisse und mich so einsam fühle, wenn sie physisch nicht anwesend sind. Generell wurde das Konzept entwickelt, um zu verstehen, welche Beziehungssprache der Partern/die Partnerin spricht, um somit die Bedürfnisse des Partners/Partnerin zu erfüllen.
Irgendwann habe ich mich so alleine gefühlt, dass ich zu nichts mehr Lust hatte. Es ist ja schließlich keiner in León. Das stimmte natürlich nicht. Als Carlos meinte, er kommt nach León und wir könnten am Wochenende zum Strand fahren und dort übernachten, war ich hellauf begeistert. Er kam dann doch nicht, meinte ich hätte etwas missverstanden. Ich war super mies gelaunt. Da ist mir mit mir selbst der Kragen geplatzt. Seit wann warte ich überhaupt auf irgendwen? Bis jetzt habe ich immer selbst dafür gesorgt,  dass in meinem Leben etwas Aufregendes passiert! Gewinner warten nicht. Das war mein Motto. Ich war 2011 alleine in Nicaragua und habe hier studiert, ohne jemanden zu kennen. Ich war 9 Monate alleine in Südamerika auf Reisen.
Schließlich habe ich meine Sachen gepackt und bin für 3 Tage/2 Nächte zur Surfing Turtle Lodge gefahren. Es war fantastisch. Tagsüber habe ich gelesen und am Strand relaxt und nachts habe ich die Sterne beobachtet. Backpacker, die mit mir Quatschen wollten habe ich kurzerhand abgewimmelt. Ich habe Zeit mit mir alleine verbracht und es sehr genossen. Die Sonnenuntergänge am einsamen Strand sind immer mehr als atemberaubend. Diesmal bin ich das erste Mal kurz nach Sonnenuntergang schwimmen gegangen. Der Strand besteht aus schwarzem Sandgestein. Das Meer war deshalb komplett dunkel und wurde zu einem Spiegel in dem sich der Himmel, der noch immer in ein wunderschönes Spektrum an Rot, Gelb, Orange und Rosa getaucht war, gespiegelt hat. Ich kann kaum Worte finden, um dieses Naturspektakel zu beschreiben. Ich war sprachlos. Leider hatte ich nur mein iPhone dabei, um den Moment festzuhalten. Es war magisch. Ich habe es am 2. Abend wiederholt und es war wieder einfach nur atemberaubend schön.

beach

Dann habe ich mich mit meinen StudienkollegInnen (Ariel, Yeison, Eynis und Milita) aus León getroffen. Sie haben mit mir ein Interview über die Architektur Leóns gemacht. Anschließend waren wir in der Kakerlake eine Bohnensuppe essen. Wir hatten viel Spaß und wollen uns nächste Woche wiedersehen.

Übrigens befindet sich ein Österreicher in León. Martin sein Name. Er macht seinen Zivildienst hier und ist gerade zurück von seinem Heimatbesuch. Martin hat vorher mit Jimmy (mein jetziger Mitbewohner aus Holland) zusammen gewohnt und war bei uns im Haus, um ihn zu besuchen. Als ich aus meinem Zimmer raus bin, sagt Jimmy: “Hey Maggie, by the way, that’s Martin from Austria.” (Hey Maggie, übrigens, das ist Martin aus Österreich). Ich antworte überrascht im schönsten Dialekt: “Griaß di Martl!” Martin versteht erst gar nicht und ist völlig überfordert: “What did you just say?” (Was hast du gerade gesagt?). Ich: “Griaß di hob i gsogt!” Martin fasst sich erstaunt mit der Hand auf den offenen Mund: “Bist du Österreicherin?” Maggie: “Nein Martin, i bin Tirolerin!” Wir brechen gemeinsam in ein Gelächter aus. Alle anderen Anwesenden verstehen kein Wort. Daraufhin verbringen Martin und ich den ganzen Tag gemeinsam. Er ist erst gestern von Österreich zurück gekommen und hat irres Heimweh nach Oberösterreich. Er sagte, als er aufgestanden ist und ihm klar wurde, dass er nicht zu hause ist, wurde ihm ganz bange, dass ich jetzt hier bin und wir beide so sprechen können, wie uns der Mund gewachsen ist, ist ein Geschenk des Himmels. Wir sind erst Eis essen gegangen, dann Abendessen und dann gemeinsam zu den Alfrombras (Streuteppichen). Martin ist blutjunge 19 Jahre alt. Normalerweise hat er nicht so alte FreundInnen wie mich, meint er. Wir treffen uns trotzdem ca. 1 Mal die Woche, weil er sagt, überraschenderweise ist es mit mir zum Aushalten. Außerdem würde ich ja noch nicht wie 34 ausschauen, er hätte nämlich nach Falten in meinem Gesicht gesucht und da wären noch zu wenige. Ich musste sehr lachen.

Wir beide übrigens sind eifrige Snapchatter (Bild rechts oben). Martin hat sich um ein Haar nicht überreden lassen den Filter zu verwenden. Dabei heißt der Filter “zwei heiße österreichische Kätzchen”.

Außerdem hatte ich ein Tinderdate mit Nuno. Er ist 34 Jahre alt, aus Portugal, lebt in Berlin, arbeitet als 3D-Animator. Wir haben soviel gemeinsam, dass es fast schon unheimlich wird. Als ich ihn dann live treffe, ist die erste Vorfreude verflogen, sein Profil verspricht mehr, als er wirklich hält. Wir unterhalten uns trotzdem sehr gut und ich nehme ihn mit zur Salsanacht. Er tanzt leider nicht. Versucht mir aber immer wieder näher zu kommen. Er meint ich sei gefährlich. Warum? Weil er sich schnell in mich verlieben könnte. Das Ganze wirkt für mich nicht sonderlich authentisch. Ich mache um Mitternacht die Fliege. Er will mit mir heim kommen. Ich verzichte mit meinem üblichen Spruch und einem Lächeln auf den Lippen: “Wir haben ja alle Zeit der Welt…!” Dann spring ich ins Taxi. Er ruft mir noch nach, ob wir uns Morgen sehen.  Am nächsten Tag erhalte ich eine Nachricht von ihm.

Nuno: “Danke für den netten Abend! Das habe ich nicht erwartet! Ich habe eine ziemlich tiefe Verbindung zu dir gespürt und ich möchte dieser folgen. Die Frage ist, ob du für  das offen bist. Das wäre gut zu wissen…weil sonst muss ich weiterziehen…einen schönen Tag.”

Maggie: “auch tiefe Verbindung auf meiner Seite. Du musst mir jetzt einen Antrag machen, sonst ziehe ich weiter…”

Ich wollte schon einen Haken unter die Sache machen, da erhalte ich eine weitere Nachricht. Offensichtlich hat er nicht ganz verstanden.

Nuno: “Gut, dann will ich mit dir eine ziemlich lange Zeit verbringen. Mindestens bis Montag. Heute Nacht? Ich wollte am Strand schlafen, aber jetzt könnte ich hier bleiben.”

Mhhhh wir haben Freitag, er will also GANZE 3 Tage mit mir verbringen. Wow, also das hat mich ganz schön überfordert, 3 TAGE – ein komplettes Leben sozusagen – Samstag Hochzeit, Sonntag Scheidung, Montag weiterziehen. Gut, das würde sich zeitlich schön ausgehen. Aber ganz im Ernst, für so eine feste Verpflichtung bin ich einfach noch nicht bereit.

Maggie: “Ich meinte HOCHZEIT!”
Nuno: “Hahahaha. Lustig.”
Maggie: “Ich bin total eingespannt dieses Wochenende, außerdem suche ich nicht nach etwas Kurzem.”
Nuno: “hummm. ok. Das ist eine Antwort. Gut zu wissen. Es scheint, du willst dir also keine Mühe machen. Ich bin dann Sonntag Nacht wieder in León. Wenn du dich treffen willst, gib mir Bescheid.”

Um es nicht ganz so spannend zu machen, ich habe mich nicht bei ihm gemeldet und etwas später meinen Tinderaccount endgültig gelöscht. Erst war es nur ein netter Zeitvertreib, aber letzten Endes habe ich keine guten Erfahrungen damit gemacht. Es ist Zeit los zu lassen. Die Treffen kosten mir nur Nerven.
Ich habe die Dokumentation “Minimalism” angeschaut. Ganz abgesehen von materiellen Besitztümern fragen sich die Hauptcharaktere radikal: “Fügt das meinem Leben Wert hinzu?” Und Tinder sowie alle wenigen Treffen, die daraus hervorgegangen sind, bringen meinem Leben weder Wert noch Nutzen. Ich bin ganz schön schockiert, wie Männer mit Frauen auf diesen Plattformen umspringen. Wenn man also sein Blabla übersetzt, dann haben wir

Ziemlich lange Zeit = 3 Tage
Ziemlich tiefe Verbindung = sexuelle Anziehung

…auf gut Deutsch heißt das, er widmet mir 3 Tage seines Lebens, in denen er mich rein auf meinen Körper reduziert. Schade, dass ich weder eine ziemlich tiefe Verbindung gespürt, noch ziemlich lange Zeit mit einem Dummschwätzer verbringen will.

Sprechen wir über etwas Erfreulicheres – meinen Garten und mein Gemüse. Ich musste einige Rückschläge verkraften, eine Gurkenstaude ist vertrocknet, die Zweite nachdem sie eine Gurke produziert hat. Das war ganz schön traurig, aber wir befinden uns eben in der letzten Phase der Trockenzeit und die Sonne ist besonders stark, von Tag zu Tag wird es heißer. Wir selbst halten es kaum aus, kein Wunder also, dass die Pflanzen eingehen. Kürbis, Oregano und Basilikum hingegen gedeihen ausgezeichnet. Wir haben den ersten Kürbis feierlich geerntet und ein Video und diverse Fotos von dem Ereignis gemacht.

Vor ein paar Tagen habe ich dann für Jamie und Emma, Jimmy und Milou, Hannah und Erick und mich ein Abendessen gekocht: Kürbissüppchen und Basilikum-Oregano-Pesto. Alle Zutaten stammen natürlich aus unserem Garten. Es war herrlich und hat allen sehr gut geschmeckt. Ich bin so begeistert, dass ich schon neue Projekte plane und über eine Pestoproduktion nachdenke.

Diesen Freitag hatte Jamie Geburtstag. Wir waren erst Essen im kubanischen Restaurant “El Bodegon” und dann im Lokal “Vía Vía”. Es war sehr nett und mit Kuchen und Geschenken – Jimmy hat Jamie eine Geburtstagskrone gebastelt – hat Jamie sogar vergessen, dass er seine Familie so sehr an diesem Tag vermisst hat. Wir haben uns alle Mühe gegeben, mit selbstgebastelten Grußkarten, Gutscheinen, Blumendeko, usw. Es war super nett und es gibt keine bessere Bestätigung, dass es Jamie gefallen hat, als die Freude in seinem Gesicht zu sehen (Bild 3)!

Tocino ist dazu leider auch nicht aufgetaucht und auch am nächsten Tag nicht, obwohl er das ganze Wochende und Montag frei hatte. Ich denke er hat mit León abgeschlossen. Warum er immer noch sagt, dass er kommt und es dann doch nicht tut, bleibt wohl ein Rätsel. Ich werde es nicht mehr lösen.

Abschließend ist zu sagen, dass die letzten 5 Wochen vergangen sind wie im Flug. Und die nächsten Wochen werden aufregend werden und meinem Alltag wieder neues Leben einhauchen, denn ich werde in einer Woche an die Ostküste reisen nach Laguna de Perla, Pearl Keys und Bluefields, wo am 30. Mai das “Palo de Mayo” Fest stattfindet. Ein großer Karneval, traditionelle Fruchtbarkeitstänze und bunte Prozessionen erwarten mich. Fortsetzung folgt…

MEINE FREUNDE
Noel (25): mein bester Freund (Nicaragua)
Martin (19): Zivildiener in Nicaragua (Oberösterreich)
Jamie (28): Arzt – Freund von Emma (England)
Emma (27): meine Freundin – Freundin von Jamie (England)
Kate (30): Ehemalige Mitbewohnerin – Koordinatorin des norwegischen Austauschprogramms (Kanada)
Mario (25): mein Rechercheassistent (Nicaragua)
Vanessa (28): arbeitet als Koordinatorin für eine NGO (USA)

MEINE MITBEWOHNER
Rachel (28): Privatlehrerin – meine Mitbewohnerin (USA)
Jimmy (27): Lehrer bei Toefl – mein Mitbewohner (Holland)
Milou (23): Freundin von Jimmy – meine Mitbewohnerin (Holland)
Hannah (21): Englischlehrerin (USA)

MEIN VEREHRER
Nuno (34): Tinderdate – Reisender, lebt in Berlin (Portugal)

POETEN LEONS
Carlos Perezalonso: Poet (Nicaragua)
Jorge Eduardo Argüello (75): Poet (Nicaragua)

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