Tagebuch Woche 11

Ich bin noch total geschlaucht von der gestrigen langen Rückreise aus dem Dschungel. Obwohl wir ausgemacht haben, dass wir uns um 8:30 Uhr zum Frühstück treffen, tauchen Gert und Marijke erst um kurz vor 9 Uhr auf. Willem und Edwin sind schon am Flughafen, da Edwin heute nach Holland zurück reist. Ich nütze die Zeit derweilen, um ein paar Fotos auf Instagram zu posten. Wir haben uns etwas beim Frühstück verplaudert und sind deshalb erst um 10:30 Uhr beim Busterminal UCA in Managua angekommen. Vor unserem Hostal haben wir aber sofort ein vorbeifahrendes Taxi aufgehalten und am Terminal waren wir die Letzten noch fehlenden 3 Passagiere. Sobald der Microbus mit 15 Sitzplätzen voll ist, wird abgefahren. 1 Stunde 20 Minuten später waren wir in León. So schnell war ich noch nie. Wir hatten richtig Glück mit dem Verkehr. Eigentlich wollte ich sofort die Fotos vom Río San Juan-Trip bearbeiten, ein Anruf von Noel ist aber meinem Arbeitseifer dazwischen gekommen. Wir haben uns zum Lunch im neuen Pan y Paz getroffen. Es gibt jetzt einen Ableger der Bäckerei/Kaffee direkt neben der Kathedrale. Ein Teil des Lokals ist sogar klimatisiert. Wir haben noch ein paar Erledigungen gemacht, bevor ich nach Hause bin, um doch noch ein bisschen zu arbeiten, bevor wir uns um 21:10 Uhr mit Gert und Willem im Kino getroffen haben. Noel hat uns alle überredet ’50 Shades darker’ anzuschauen. Ich habe mich seit Jänner gesträubt. Letzten Endes war es ein Freundschaftsdienst an Noel. Ich hatte noch einiges gut zu machen wegen seiner Unterstützung, während ich Dengue Fieber hatte. Trotzdem konnte ich mich manchmal kaum zurück halten und musste meinem Ärger Luft machen. Der Titel des Films ist komplett falsch! Es sollte eigentlich 50 Shades of Bullshit heißen. Zwei Minuten nachdem der Film angefangen hat, hatte ich schon genug und wollte den Kinosaal verlassen. Die Dialoge sind nich auszuhalten geschweige denn die Charaktere.
Christian Grey kauft nicht nur alle Bilder einer Vernissage auf denen Anastasia Steele abgebildet ist, nein, er kauft auch noch die Firma, in der sie arbeitet. Man könnte das vielleicht ein bisschen obsessiv nennen, andere finden es süß. Er will ihr nah sein und sie kontrollieren. Dann der nobelpreisverdächtige Dialog:

Anastasia Steele: Zu deiner Info, ich fliege dieses Wochenende nach New York.
Christian Grey: Nein, das wirst du nicht.
Anastasia: Ich muss. Es ist geschäftlich.
Maggie (imitiert Stimme von Grey): Ich habe gerade alle Fluglinien gekauft. Keiner wird dich nach New York fliegen!

Als das Licht nach gefühlten 10 Stunden im Kinosaal angeht, fragt mich Noel, wie mir denn der Film gefallen hat. Da muss ich zugeben, auch mein Filmtitel war falsch. Ich habe ‘100 Shades of Bullshit’ im Film gezählt! Willem war auch nicht sonderlich begeistert und ist sofort nach Hause ins Bett. Gert ist mit Noel und mir noch auf ein Toña (Bier) ins Vía Vía. Noel wird in einer Woche nach Österreich fliegen. Er hat einen 3-Jahresvertrag mit der Städtepartnerschaft Salzburg-León unterschrieben. In Salzburg wird er in einem Tourismusbüro arbeiten. Danach soll er zurück nach León kommen und hier das staatliche Informationsbüro ‘Intur’ auf Vordermann bringen. Alleine die Vorstellung, dass er bald weg ist, hat mir vor einer Woche die Tränen in die Augen schießen lassen. Ich musste sofort an etwas anderes denken. Noel erklärt Gert den Ablauf seiner Arbeit ganz genau.

Noel: Ich werde für 6 Monate weg sein.
Maggie: Ich werde dich schrecklich vermissen.
Noel: Ich dich auch manchmal.
Maggie (verärgert): Was? Manchmal?
Noel: Manchmal, weil in Österreich bin ich sehr beschäftigt.

Ich bekomme einen Lachanfall. Dieses Luder, denk’ ich mir, aber die Ausrede ist echt gut. Es ist schon witzig mit Noel und mir, wir sind uns so ähnlich und leben genau den umgedrehten Traum. Er ist aus Nicaragua und will nach Österreich bzw. Europa und ich bin aus Österreich und will nach Nicaragua. Eine halbe Stunde später ist es schon nach Mitternacht und sie haben den Laden zugesperrt.  Wir sind alle nach Hause.

Ich bin jetzt immer schon um 7 Uhr morgens wach. Das ist auf den Dschungel zurückzuführen, anscheinend hat sich mein Körper schnell daran gewöhnt. Ich lade die Bilder auf meinem Computer, mache mir Frühstück und einen frischen Kaffee und wollte gerade mit dem Durchschauen beginnen, da erhalte ich einen Anruf von Noel. Er muss Erledigungen machen und braucht dringend meine Hilfe. Er braucht ein Geschenk für Josef und bittet mich um meinen Rat. Er kommt mich 30 Minuten später abholen. Noel fliegt am Dienstag 28. Februar, wird aber schon am 27. nach Managua reisen, dort übernachten und am nächsten Tag früh morgens zum Flughafen fahren. Er schläft in einem Hotel, in dem sie einen Shuttle vom Busterminal UCA zum Hotel und am nächsten Tag einen Shuttle vom Hotel zum Flughafen anbieten. Im Hotel zu übernachten ist günstiger, als ein Taxi von León nach Managua zu nehmen. Dass Noel aber schon einen Tag früher abreist, gefällt mir nicht. Als wir eine Straße überqueren frage ich ihn, ob das gebuchte Zimmer ein Doppelzimmer ist. Noel will wissen, warum ich das frage. Wenn es ein Doppelzimmer ist, dann fahre ich am Montag mit und bringe ihn zum Flughafen. Da Noel generell seine Gefühle hinter seiner coolen Oberfläche gut versteckt, habe ich mir erwartet, dass er mich mit einem komischen Blick anschauen wird und sagt: “Please bitch, that’s too much.” Am Ende wird er aber großzügigerweise sagen, dass ich mitfahren darf, wenn ich unbedingt will. Aus gutem Grund habe ich deshalb den Satz nicht als Frage gestellt, sondern einfach gesagt, dass ich mitfahre.

Was dann passiert, kann ich kaum glauben. Noel bleibt stehen. Schaut mich mit großen Augen an und fragt: “Wirklich? Du begleitest mich?” Als ich bestätige, fällt er mir um den Hals und drückt mich ganz fest, gibt mir einen dicken Schmatz auf die Wange und sagt, dass er sich sehr freut, dass ich mitfahre. Gut, das hatten wir noch nie. Ich muss schmunzeln. Die Zwetschge überrascht mich doch immer wieder. Wir sind nach all den Jahren richtig gute Freunde geworden. Das wird uns in den nächsten Tagen beiden klar. Die Erledigungen haben sich dann von ganz alleine erledigt. Es kommt doch immer auf die Gesellschaft an. Wir waren Mittagessen und dann in einer Gärtnerei Blumen und Pflanzen für meinen Garten kaufen. Die Gärtnerei war atemberaubend. Riesen groß
Ich habe die Blumen gepflanzt und mich dann um 19 Uhr mit Alexander getroffen. Er hat mich von zu Hause abgeholt und mich ins Kino ausgeführt. Wir haben uns ‘Split’ angeschaut. Der Film war so gruselig, dass ich einige Male vor Schreck geschrien habe. Alexander fand’s lustig. Danach waren wir im Vía Vía ein Bier trinken und plaudern. Schon um 22 Uhr war ich hundemüde und konnte die Augen kaum noch offen halten, alles zurück zu führen auf den Rhythmus des Dschungels. Ich bin aber bis kurz vor Mitternacht sitzen geblieben und habe mir die Familiengeschichte von Alexander angehört. Ich kann mich im Nachhinein aber an nicht viel erinnern. Ich war einfach zu müde. Alexander ist in El Sause aufgewachsen. Noel nennt es ein ländliches Kaff. Kein Wunder also, dass Alexander so schüchtern ist. Er ist 25 Jahre alt – viel zu jung, denk’ ich mir noch – und arbeitet seit 3 Monaten in der Eisdiele ‘Kiss me’ in León. Das macht er aber nur, bis er einen Job in seinem Fach findet. Wenn ich mich blos erinnern würde, was er studiert hat. Ich glaube, er ist Ingenieur. Er begleitet mich ganz gentlemanlike bis vor meine Haustüre. Ich verabschiede mich mit einem Küsschen auf die Wange. Er drückt mich in einer Umarmung an sich. Wir lächeln uns an. Ich verabschiede mich.
Am Mittwoch vormittag klopft jemand an meine Zimmertür. Es ist Elizabeth, unsere Putzfrau. Ich wundere mich darüber, seit 2,5 Monaten bin ich hier und Elizabeth hat bis jetzt kaum ein Wort mit mir gewechselt.
Elizabeth: Maggie, darf ich dich was fragen?
Maggie: Sicherlich! Was gibt’s denn?
Elizabeth: Wer kümmert sich hier um den Garten?
Maggie: Ich. Warum?
Elizabeth: Man sieht, dass hier jemand Pflanzen liebt.
Oh mein Gott, wie sehr haben mir diese Worte geschmeichelt. Ich bin sofort aus meinem Zimmer raus und habe mich ordentlich mit Elizabeth unterhalten.
Elizabeth: Letzten Freitag war ich hier und habe den Kürbis gesehen. Er war noch klein und heute Montag komme ich wieder und der Kürbis ist riesig. Wie ist das möglich?
Ich bin ebenfalls wie meine Kürbisse um gefühlte 30 Zentimeter größer in diesem Moment. Dann erklärt mir Elizabeth, dass sie einen großen Garten hat, darin leider nichts wächst. Sie versucht seit einiger Zeit Gemüse und Obst anzupflanzen, das Einzige, das halbwegs wächst, seien Chiltoma (eine Paprikaart). Alles andere würde eingehen. Sie hat ihrem Bruder von meinem Garten erzählt und wie das Gemüse wächst und dass sie es kaum glauben kann. Ihr Bruder hat daraufhin gemeint, sie soll mich einladen. Dann könnte ich ihren Garten begutachten und ihr Tipps geben. Ein Leben als Gärtnerin, das könnte erfüllend sein, denke ich mir in diesem Augenblick.
Am Nachmittag holt mich Noel ab und will unbedingt ein Eis bei ‘Kiss Me’ essen. Alexander hat sich über unseren Besuch mit einem Riesen Lächeln über seinem ganzen Gesicht gefreut. Noel kann nicht aufhören Alexanders Blick nach zu machen, während wir zum Zentralpark spazieren. Ich muss lachen. Noel schießt einige Fotos für seine Bachelorpräsentation. Ich schieße einige Fotos für Instagram. Da erhalte ich ein Foto auf dem Noel und ich abgebildet sind. Direkt in der Situation in der wir uns gerade befinden. Ein Paparazzi hat uns entdeckt. Ich schaue mich um und sehe Noel Eduardo im Restaurant Mirador sitzen. Er spielt Perchussions in der Gruppe Amalgama. Sie sind ebenfalls beim Benefizkonzert für Oscar aufgetreten. Ich winke ihm freudig zu.
Noel und ich sind daraufhin sehr hungrig und entschließen uns eine Pizza essen zu gehen. Imelda (Frans Cousine) und ihr italienischer Lebensgefährte haben ein Restaurant direkt neben dem Theater eröffnet. Es ist das einzige Lokal mit einem Holzofen. Die Pizza schmeckt hervorragend. Im Anschluss gehen wir auf einen Drink ins Restaurant Barbaro. Dort versumpfen wir drei Stunden bis schließlich Alexander schreibt, wo ich denn umgehen würde, er wolle mich sehen. 20 Minuten später gesellt er sich zu uns. Wir plaudern etwas. Noel quatscht mit ihm. Bis wir dann gegen Mitternacht aufbrechen. Alexander bringt mich wieder ganz gentlemanlike nach Hause. Ich verabschiede mich mit einem Küsschen auf die Wange. Er dreht im letzten Moment seinen Kopf zu mir und ich lande mit meinen Lippen auf seinen. Der Trick ist ganz alt, denk ich mir. Aber er freut sich darüber wie ein Welpe.
Am Donnerstag habe ich mit meinem Bruder telefoniert. Ich freue mich immer sehr von ihm zu hören, leider war dieser Anlass nicht erfreulich. Einer seiner besten Freunde hat sich umgebracht. Als ich es erst in seiner Whatsapp-Nachricht gelesen habe, habe ich noch gehofft, dass es ein anderer Edgar ist. Ich habe nicht gewusst, dass es Eddi so schlecht ging und bin völlig überrollt von der Nachricht. Ich bin sehr traurig darüber. Er hat keinem etwas davon gesagt, aber Briefe hinterlassen und alles bis ins kleinste Detail organisiert. Im Nachhinein wünscht man sich, er hätte sich jemanden anvertraut. Die Vorstellung wie dunkel seine Gedanken wohl waren und wie einsam er sich gefühlt haben muss. Mir fehlen die Worte. Am Ende weiß keiner, was im anderen vor sich geht. Wir haben verlernt uns wirklich mitzuteilen. Offen zu sagen, dass es einem nicht gut geht. Zu weinen und um Hilfe zu bitten. Das Gespräch mit meinem Bruder war sehr intensiv. Ich brauche daraufhin 1-2 Stunden, bis ich wieder vor die Tür treten kann.
Am Abend gehe ich mit Noel in die Kakerlake eine Bohnensuppe als Heilung für die Seele zu essen. Im Anschluss haben wir uns etwas in den Zentralpark gesetzt und die Leute beobachtet. Es wird von Tag zu Tag heißer. Ich bin völlig geschlaucht von der Hitze. Tocino meldet sich kurz rein, ob wir Salsa tanzen gehen. Noel hat sofort abgelehnt. Hat mich aber zu Tocinos Haus begleitet, welches einen halben Block vom La Olla Quemada entfernt ist und ist dann mit dem Taxi nach Hause. Alexander hat mir währenddessen schon geschrieben, ob ich denn schon beim Tanzen sei und warum ich ihn nicht eingeladen hätte. Ich schreibe ihm also, er soll kommen. Wenig später taucht er auf. Wir tanzen etwas. Es funktioniert, aber wir harmonisieren nicht ganz. Er tanzt sehr abrupt und reißt meinen Arm in eine Drehung. Wir sitzen an der Bar und trinken ein Bier, da kommt Steijn, der Besitzer vom Vía Vía daher. Er schaut mich mit weit aufgerissenen Augen lachend an und sagt: “Da schau her, die Maggie mit Freund und allem drum und dran.” Ich verneine lachend. Alexander fragt mich, was Steijn gesagt hat. Erst antworte ich nicht, er lässt aber nicht locker.
Maggie: Er hat mich gefragt, ob du mein Freund bist.
Alexander: Was hast du gesagt?
Maggie: Dass wir nicht zusammen sind.
Alexander: Warum hast du das gesagt?
Maggie: Weil wir nicht zusammen sind.
Alexander: Willst du denn nicht mit mir zusammen sein?
Maggie: Das kann ich jetzt noch nicht sagen.
Alexander: Warum nicht?
Maggie: Weil ich dich im Grunde nicht kenne.
Alexander: Wie meinst du das?
Maggie: Wir haben uns im Ganzen vielleicht 4 Stunden gesehen. Da kann ich doch jetzt nicht sagen, dass ich mit dir zusammensein will.
Alexander: Das versteh’ ich nicht.

Mir wird an dieser Stelle die Unterhaltung schon zu anstrengend. Ich atme lange aus und schaue ihn stumm an.
Alexander: Was gefällt dir denn an mir?
Maggie (genervt): Ich weiß nicht.
Alexander: Es muss dir doch etwas gefallen, sonst wärst du nicht mit mir hier.
Maggie (super genervt): Dein Lächeln.
Alexander: Und sonst nichts?
Maggie: Sorry, aber müssen wir jetzt um 23 Uhr nachts im La Olla Quemada darüber reden?
Jetzt ist mir auch noch die Laune zum Salsa tanzen mit ihm vergangen. Gott sei Dank fordert mich in dem Moment Carlos, ein Tänzer aus der Tanzschule, auf. Das Angebot nehm’ ich schnellstens an, um der Situation zu entfliehen. Alexander tanzt derweilen mit einer sehr an ihm interessierten Kundin der Eisdiele. Das lässt mich kälter als die Kühlung der Eiscreme. Ganz im Gegenteil, ich bin sogar etwas erleichtert. Ich tanze mit Carlos bis Mitternacht. Dann fragt er mich, ob ich mit ihm Englisch üben würde, im Gegenzug bringt er mir ein paar neue Salsaschritte bei. Ich wusste gar nicht, dass es neue Schritte im Angebot gibt. Ich lehne dankend ab. Sie könnten sich echt bessere Sprüche überlegen. Um ehrlich zu sein, Carlos ist auch überhaupt nicht mein Typ, etwas kleiner als ich, übergewichtig und seine Ausstrahlung ist nicht sonderlich optimistisch. Ich habe ihn noch nie lachend gesehen. Laut der Aussage von Tony Robbins, du wirst zu der Person, in deren Gesellschaft du dich begibst, denke ich, ich sollte meine Freunde besser selektieren. Er verspricht mir aber den Kontakt eines Tangolehrers in León zu schicken. Am Ende verabschiede ich mich erneut von Alexander vor meiner Haustüre und überlege mir währenddessen schon, wie ich ihn auf nette Art und Weise los werde.
Am Freitag habe ich von Kate ein Angebot erhalten eine Vorlesung für das Norwegerprogramm Cultural Studies zu halten. Erst sollte es etwas bzgl. Film, Nicaragua und Entwicklung sein. Später meinte sie, das Thema wäre nicht durchgegangen. Ich soll jetzt über Machtstrukturen und Entwicklung sprechen. Erst habe ich ohne mit der Wimper zu zucken gesagt: “Kein Problem!” Inzwischen dreht sich mir der Magen um. Ich muss mich gut einlesen die nächsten Tage. Außerdem muss ich mit Kate genau besprechen, was sie sich vorstellt. Ich möchte sie nicht enttäuschen. Das wäre mein erster bezahlter Job in Nicaragua. Ah Moment, nicht ganz, ich habe ja schon gedolmetscht und Fotos an eine Reiseagentur verkauft. Das war aber schon bei meinem Aufenthalt vor 2 Jahren. Am Abend habe ich Noels Schwester Guadalupe kennen gelernt. Sie lebt seit vielen Jahren in Costa Rica. Guadalupe und Geraldine sind für 5 Tage nach León gekommen, um ihren Vater zu sehen. Er ist sehr krank. An einem Punkt haben sie gedacht, er wird sterben. Deshalb sind alles Kinder etwas besorgt gewesen, obwohl nur wenige mit ihm Kontakt haben. Noel hat ihn seit Jahren nicht gesehen. Er hat lange überlegt, ob er ihn besuchen soll oder nicht. Schlussendlich hat er ihn besucht. Es geht ihm inzwischen besser,  die Operation ist gut verlaufen und er ist schon wieder fast ganz gesund. Maggy, Guadalupe, Noel und ich haben uns im Restaurant Barbaro getroffen. Ich bin aber sehr sehr müde und noch vor Mitternacht nach Hause. Irgendwas ist komisch mit mir.
Samstags habe ich ausgeschlafen und gegen Mittag das Tagebuch 10 fertiggeschrieben. Danach war ich einkaufen und im Restaurant Yavoy einen Tisch für Noels Abschiedsparty reservieren. Ich habe alle Freunde eingeladen, ebenso seine Familie. Auf dem Heimweg bin ich Emma über den Weg gerannt. Wir werden uns dann später noch sehen. Außerdem war ich bei Sinsa (Bauhaus) und habe zwei Wandaufhängungen für ein Regal gekauft, welches mir Willem montiert hat und weiße Rohre für mein Moskitonetz, mit denen ich eine Aufhängung konstruiert habe. Ich habe mich kurz ausgerastet und dann auch schon wieder auf den Weg zum Abendessen gemacht. Alle sind gekommen: Cena, Rachel, Jimmy und Milou, Jamie und Emma, Willem, Gert und Marijke, Noel, Kate, beide Brüder von Noel mit Frau und Kind, Guadalupe, Geraldine, Maggy mit Mann und Sohn Pierre und Maritza, Noels Mama und ich. Marijke hatte an dem Tag auch noch Geburtstag. Ich habe ein kleines Törtchen im Pan y Paz für sie organisiert und Noel hat 3 Kerzen von zu Hause mitgebracht. Sie hat sich sehr darüber gefreut. Im Anschluss sind noch einige ins Restaurant Barbaro auf einen Drink. Danach war ich aber streichfertig. Der ganze Rummel und die Organisation war mir zu viel. Ich bin nach Hause, obwohl mich Noel gebeten hat, noch in The Reef Bar zu fahren. Ich musste ablehnen. Ich war keine gute Gesellschaft an diesem Abend.
Am Sonntag um 4:15 Uhr habe ich mir den Wecker gestellt und Willem verabschiedet. Er, Gert und Marijke sind nach Hause geflogen. Ich konnte im Anschluss nicht einschlafen, also habe ich mir den oscarnominierten Film ‘Lion’ angschaut. Er handelt von dem indischen Jungen, der versehentlich in einen Zug steigt und verloren geht. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit und ist herzzerreißend. Ich habe geheult wie ein Schlosshund. Gegen 6:15 Uhr bin ich auf die Toilette. Rachel saß schon im Wohnzimmer vor meiner Tür. Sie steht immer so früh auf, da um 7:15 Uhr unter der Woche ihre Arbeit beginnt. Selbst sonntags schläft sie nicht aus. Als sie mich sieht, ist sie kurz geschockt und fragt, was denn los sei. Ich versteh’ nicht ganz, worauf sie hinaus will. Dann erzähle ich ihr von dem Film und wie sehr er mich berührt hat. Sie sagt, es sei offensichtlich. “Aha, okay…”, denk ich mir noch. Auf dem Rückweg von der Toilette, Wasche ich mir die Hände und sehe mein Gesicht im Spiegel. Bei dem Anblick war ich für einen Augenblick selbst völlig geschockt. Meine Wimperntusche war über mein ganzes Gesicht verteilt. Ich habe ausgesehen wie ein Zombie. Gut, jetzt verstehe ich Rachels Reaktion.  Ich musste laut auflachen. Daraufhin habe ich noch etwas geschlafen. Am späten Vormittag wollte Noel, dass ich mit nach Managua in die Shopping mall fahre. Ich hatte aber keine Lust, immerhin fahren wir morgen sowieso nach Managua. Am Abend hatten wir große Oscarnacht, Jimmy, Milou, Rachel, Emma und ich. Noel hat abgesagt. Den Redcarpet haben wir mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Als dann die Übertragung startet, endet auch schon unsere Oscarnacht. Diverse Streams wurden unterbrochen. Der Stream ist in ihrem Land nicht erlaubt, stand groß am Bildschirm. Wir haben 30 Minuten lang versucht eine Verbindung herzustellen. Ich habe es dann stinksauer aufgegeben. Das war echt mies. Ich konnte mich nur kurz mit der gelieferten Pizza beruhigen. Dann bin ich in mein Bett und habe aus Trotz gelesen.
Abschließend ist zu sagen, dass in dieser Woche wieder sehr viel passiert ist. Ich war viel unterwegs, habe viele Freunde getroffen, auch wieder viel Zeit mit Noel verbracht. Ich bin aber irgendwie noch nicht ganz bei vollen Kräften. Fortsetzung folgt…

Noel (25): mein bester Freund (Nicaragua)
Tocino (Carlos, 38): mein sehr guter Freund – Chef eines Pharmalabors (Venezuela)
Noel Eduardo (34): spielt Percussion in der Gruppe Amalgama (Nicaragua)
Fran: Mariankas Lebensgefährte – Cousin von Imelda (Nicaragua)
Marianka (37): meine Freundin (Polen)
Imelda: Cousine von Fran – Besitzerin des Restaurants Merendero (Nicaragua)
Alexander (25): mein Verehrer – arbeitet in der Eisdiele ‘Kiss Me’ (Nicaragua)
Steijn (38): Besitzer vom Restaurant/Hostal Vía Vía (Belgier)
Carlos: Salsatänzer (Nicaragua)
Guadalupe (35): Noels Schwester – lebt in Costa Rica (Nicaragua)
Geraldine (38): Noels Schwester – lebt in Costa Rica (Nicaragua)
Maggy (45): Noels älteste Schwester (Nicaragua)
Maritza: Noels Mama (Nicaragua)
Rachel (28): Privatlehrerin – meine Mitbewohnerin (USA)
Jimmy (27): Lehrer bei Toefl – mein Mitbewohner (Holland)
Milou (23): Freundin von Jimmy – meine Mitbewohnerin (Holland)
Jamie (28): Arzt – Freund von Emma (England)
Emma (28): meine Freundin – Freundin von Jamie (England)
Willem (53): Eigentümer des Hauses, in dem ich wohne (Holland)
Edwin (41): Eigentümer des Hauses, in dem ich wohne (Holland)
Gert (57): Mann von Marijke – Freunde von Willem und Edwin (Holland)
Marijke (53): ehemalige Mitbewohnerin von Willem (Holland)
Kate (30): Ehemalige Mitbewohnerin – Koordinatorin des norwegischen Austauschprogramms (Kanada)
Cena (31): Englischlehrerin – Freundin von Tocino (USA)

 

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