TAGEBUCH WOCHE 2

Die Woche fing mit einem Besuch bei meinen Masseuren, Sonia und Roberto, an.  Sie arbeiten für ‘Seeing Hands’. Roberto ist blind. Sonia hat ein Auge und regelt deshalb auch den geschäftlichen Part. Das Wiedersehen war sehr schön! Jedoch war Roberto gar nicht da, er hat Urlaub. Sonia hat mich dann massiert. Es war ausgezeichnet. Am Abend war ich mit Carlos (Venezuela) Essen und anschließend haben wir Noel zum Disco Bingo getroffen. Carlos ist früher nach Hause. Er pendelt für seine Arbeit zwischen Managua und León, das ist ziemlich anstrengend. Noel und ich haben die Stellung gehalten und gut so, denn Noel hat die große Flasche Rum an diesem Abend gewonnen.

Am Dienstag habe ich dann endlich angefangen mich an den Computer zu setzen und die Taufe meiner Nichte zu schneiden. Immerhin hab’ ich versprochen, ich würde sie bis Weihnachten fertig bekommen. Das hab ich dann am Mittwoch beendet. Der harte Teil kam danach: das Übermitteln via Internet. Es war die Hölle. Das Internet in meinem Haus ist mega schlecht. Nach 4 Stunden uploaden ist die Übertragung bei 30 % abgebrochen. Ich bin verzweifelt. Donnerstag und Freitag bin ich dann in ein Lokal und hab’ es dort versucht, gleich schlechtes Ergebnis. Letzten Endes hat mich dann Noel gerettet, mit seinem Internet zu Hause, das halbwegs stabil läuft. Es hat trotzdem die ganze Nacht gedauert, bis meine Family das Video downloaden konnte.

Carlos (Venezuela) hat meine Verzweiflung Dienstag abends etwas gelindert, in dem er mich zum Kino (Star Wars ‘Rogue One’) ausgeführt hat. Am Mittwoch waren Carlos und ich auf einem Konzert einer Coverband von ‘Los Heroes del Silencio’. Ich habe sofort gemerkt, dass Carlos die Musik nicht so toll findet. Er ist aber mir zu lieb dort geblieben und hat sich auch von meiner Euphorie anstecken lassen. Gemeinsam haben wir dann den Song ‘Avalancha’ mitgesungen und sind richtig abgegangen. Noch Tage später, wenn wir unsere Freude über etwas ausdrücken, rufen/singen wir AVALANCHAAAAA und müssen daraufhin beide laut lachen. Er ist wirklich ein toller Mensch. Am Donnerstag hat Carlos für mich und Noel venezolanisch gekocht, Maisbrötchen, die man dann mit einem Gemüse-Fleischgemisch füllt. Dazu kam noch eine saure Avocadosoße und Salat. Es hat sehr interessant, aber auch sehr entfernt von meinem üblichen Geschmacksfeld geschmeckt. Danach sind Carlos und ich zur Salsanacht. Noel ist nach Hause. Er mag Salsa nicht besonders. Carlos und ich haben das Parkett gerockt, auch wenn er nach maximal zwei Songs Pause macht. Man(n) kommt hier ganz schön ins Schwitzen.

Vor der Salsanacht war ich bei einem weiteren Flohmarkt, um Geld für Oscars Behandlung aufzutreiben. Ich habe auch Sachen abgegeben, die ich nicht mehr brauche. Einige meiner Shirts und Kleider wurden gleich verkauft. Ich habe erneut gefilmt, um genug Material für einen kleinen Beitrag zu sammeln. Des Weiteren organisieren Noel, Elthon und ich ein Benefizkonzert für Oscar. Es wird nächste Woche Mittwoch im “Olla Quemada” stattfinden. Ich hab einen Flyer entworfen und mit dem kleinen Film werden wir auch die Veranstaltung bewerben.

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Flyer Benefizkonzert für Oscar

Am Abend bin ich mit Noels Schwester Luz ins Via Via zu einem Konzert. Ich dachte erst sie würden Salsa, Merenge und Bachata spielen. Leider haben sie vorwiegend Cumbia gespielt. Ab und zu einen Merenge, den ich dann mit Carlos getanzt habe, der später dazu gestoßen ist. Interessant wurde es, als das Konzert aus war. Über die Anlage liefen ein paar Salsasongs und ein Tänzer aus der lokalen Tanzschule hat mich aufgefordert. Obwohl er um einiges kleiner ist als ich, haben wir sehr gut harmoniert. Nach 3 Salsasongs kam Merenge und Franklin hat mich darum gebeten mit ihm weiter zu tanzen. Das Vergnügen lag auf meiner Seite. Ich habe es sehr genossen. Wir haben die Tanzfläche eingenommen und von Song zu Song wurden wir besser. Als dann auch noch Bachata gespielt wurde und wir auch hier alles gegeben haben, konnte ich nur noch vor Freude laut lachen. Franklin war weiterhin äußerst konzentriert bei der Sache. Selbst als einheimische Zuschauer ihre Begeisterung mit einem High Five ausdrücken wollten, hat Franklin wie ein Gentlemen seine tänzerische Aufmerksamkeit nur mir gewidmet. Nach ca. 20 Minuten haben sie dann die Musik abgedreht und das Lokal zu gesperrt. Seit dem ich zurück bin, war das das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, ich hätte wirklich getanzt. Nämlich so, dass man sich in einem Tanz völlig verliert. Es war fantastisch. Ich habe Franklin gefragt, in welcher Tanzschule er tanzt und überlege jetzt, ob ich nicht doch zum Unterricht gehen sollte. Wir werden sehen.

Außerdem hat mich in dieser Nacht auch ein junger Mann angesprochen. Sein Name ist Mario. Er hat Grafikdesign studiert und programmiert Webseiten. Er findet es mehr als spannend, dass ich vorhabe eine Doku zu drehen und hat seine Dienste angeboten mir dabei zu helfen. Ich musste lachen und habe ihn nicht ganz ernst genommen. Später hat er mir dann erneut sein Interesse vermittelt und mich gefragt, ob wir uns denn nicht einfach am Montag treffen und darüber reden könnten. Süß. Mal schauen, ob er mir wirklich helfen kann. Aber auch interessant, weil ich mir insgeheim jemanden gewünscht habe, der mit mir an dem Projekt arbeitet. Das erleichtert einiges – vor allem das In-die-Gänge-kommen.

Weihnachten hab ich mit meiner Family telefoniert. Erst ein Gruppentelefonat mit meiner Goti, meinem Onkel und meiner Cousine und dann mit meinen Eltern. Auch wenn mir Weihnachten nicht sonderlich viel bedeutet, bin ich sehr sentimental geworden und habe meine Lieben vermisst. Am Abend war ich bei Noels Familie zum Essen eingeladen. Die Feier war sehr schön und das Essen ausgezeichnet. Ich habe mich gefragt, wer das wohl gekocht hat. Noel musste lachen, denn an Festtagen wird das Essen außerhalb bestellt, oder man lässt überhaupt einen Koch/eine Köchin kommen, unvorstellbar für mich. Besonders gut hat mir gefallen, dass im Anschluss an das Essen zur Musik getanzt wird. Die ganze Familie hat getanzt und gesungen, das waren übrigens keine klassischen Weihnachtslieder, sondern normale lateinamerikanische Musik, wie sie auch in den Lokalen gespielt wird. Gegen 23 Uhr sind Noel, Brayan, Luzy und ich in die Stadt und noch ausgegangen. Den Sonntag und eigentlichen Weihnachtstag haben wir bei einer Bohnensuppe gefeiert. Wir waren ganz schön erledigt von der Nacht zuvor. Die 2. Woche haben wir bei einem schicken Abendessen mit Cocktail im Restaurant “Barbaro” ausklingen lassen. Danke übrigens an Mama, die mich dazu eingeladen hat. :*

Abschließend ist zu sagen, dass die 2. Woche schon um einiges besser war, als die 1. Trotzdem mache ich mir noch viele Gedanken. Ich bin aber um vieles positiver eingestellt und spüre, dass ich langsam in der Stadt und der Kultur ankomme. Das gibt mir Hoffnung. Fortsetzung folgt…

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