TAGEBUCH WOCHE 1

Meine Taufpatin hat mich dazu angespornt im Blog auch über die Geschehnisse meines Alltages zu berichten. Diesen Wunsch werde ich ihr hiermit erfüllen.

Die Zeit vor der Abreise in Österreich war sehr aufwühlend – das Aufgeben meiner Wohnung, welche 13 Jahre lang mein Zuhause war, der Abschied von meiner Familie und meinen FreundInnen und ganz besonders das Zurücklassen meiner Eltern am Flughafen in München.

“Der Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange auf ihn freut.” Arthur Schnitzler

Am Flughafen habe ich zufällig Marianka getroffen, sie kommt aus Polen, lebt aber vorwiegend in León, Nicaragua. Sie war ebenfalls auf dem Weg dorthin. Wie es das Schicksal wollte, sind wir im Flugzeug nebeneinander gesessen und haben uns darüber sehr gefreut. Wir hatten einiges zu besprechen. Unsere Wege haben sich aber in der Dominikanischen Republik getrennt. Ich bin über Panama und Marianka über Costa Rica nach Managua geflogen.

7 Monate habe ich mich auf die Abreise vorbereitet, als ich dann in León, Nicaragua angekommen bin, hat mich die Realität eingeholt. Mein Zimmer war überhaupt nicht vorbereitet. Das Haus, in dem ich wohne, ist völlig verdreckt und ich direkt mitten drin in einem ausgewachsenen Kulturschock und das obwohl ich jetzt das 5. Mal in León bin und 9 Monate lang Südamerika bereist habe.

Ich war einfach überfordert mit der Situation plötzlich wieder in León zu sein und hatte nachts schlimme Albträume. Im Halbschlaf habe ich mich gefragt: “Was mache ich hier überhaupt?” Geht man den Albräumen auf den Grund sind es banale Versagensängste, dass sich meine Pläne und Träume nicht verwirklichen. Ich habe mich täglich auf’s Neue auf den Boden der Tatsachen geholt und mir bewusst gemacht, dass alles gut ist, so wie es ist und ich mir einfach mehr Zeit geben muss, wirklich in León anzukommen. Meine Freundinnen haben mich dabei unterstützt.

Gott sei Dank ist Noel in León, mein bester Freund. Er hat mich vom Flughafen abgeholt und wir verbringen viel Zeit miteinander. Das ist sehr schön. Die meiste Zeit sind wir unterwegs in León und erkunden die Erneuerungen der Stadt. Das neue Barbaro Restaurant hat aufgemacht – vor einiger Zeit ist das Alte abgebrannt. Jetzt wurde es an neuer Stelle eröffnet und es ist schon zu meinem Lieblingslokal geworden. Der Mercado Central – Einkaufsmarkt (wie bei uns die Markthalle in Innsbruck) – wird gerade komplett renoviert und soll Anfang des neuen Jahres eröffnet werden. Natürlich waren wir auch meine geliebte Bohnensuppe essen in der Kakerlake. Insgesamt war ich 3 mal in der ersten Woche. Noel hat mir nach dem 2. mal den Vogel gezeigt und ich musste mit anderen Freunden dorthin gehen. Ich verüble es ihm nicht. Noels Familie hat mich liebevoll aufgenommen. So wurde ich zB. gleich in der ersten Woche zu Pierres, Noels Cousin, Abschlussfeier eingeladen.

Leider haben mich auch sehr sehr traurige Nachricht erreicht. Mein Nacht-Taxifahrer Javier (53) ist plötzlich verstorben vor 4 Monaten, sie sagen er hätte Krebs gehabt. Eines nachts hat er über Schmerzen geklagt, ist in die Klinik gegangen und 3 Wochen später verstorben. Ich war über die Nachricht sehr traurig und denke oft an ihn. Er fehlt. Außerdem liegt Oscar (26), ein Freund von uns, im Krankenhaus auf der Intensivstation. Er hat das Guillain-Barreé Syndrom und ist plötzlich gelähmt. Inzwischen kann er die Finger bewegen und mit den Augen Signale geben. Noel hilft bei Flohmärkten mit Spenden aufzutreiben. Ich habe Videoaufnahmen gemacht. Eventuell werde ich für meinen Blog über die Hilfsbereitschaft von Familie, FreundInnen und Bekannten von Oscar berichten.

Außerdem war ich auf einer Ausstellung der Kunstschule XUCHIALT, um einen Beitrag darüber zu machen. Leider war die Ausstellung abends, es war schon dunkel und das gedrehte Material flimmert. Meine Kamera ist zu schwach für Aufnahmen ohne genügend Licht. Das ärgert mich.

Abschließend ist zu sagen, dass die erste Woche sehr aufregend war, mich aber auch viel Kraft gekostet hat. Besonders das Saubermachen meines Zimmers und im Anschluss auch noch das Reinigen des Hauses. Ich habe mich überwunden auch schon etwas an meinen Projekten zu arbeiten. Die meiste Zeit habe ich aber damit verbracht meine FreundInnen aus León zu treffen und mir mit ihnen die Nächte um die Ohren zu schlagen. Das hat mehr Spaß gemacht und mich meine Sorgen etwas vergessen lassen. Ariel, mein ehemaliger Studienkollege war trotz Uniferien zu Besuch in León und hat sich die Zeit genommen sich mit mir zu treffen. Er hat mich auf den neuesten Stand bezüglich diverser Info über das Studienleben gebracht. U.a. hat er mir erzählt, dass sie unseren Lieblingsprofessor entlassen haben, weil er einigen StudentInnen die Note gegeben hat, die sie sich über das Jahr verdient haben. Offensichtlich waren viele damit nicht zufrieden. Marianka habe ich natürlich auch zum Plauschen getroffen und besonders schön ist auch das Wiedersehen mit Carlos aus Venezuela. Er hat mich gleich das traditionelle venezolanische Schinkenbrot kosten lassen. Später hat sich dann einer seiner Freunde beschwert, es sei ursprünglich aus Italien und die Venezolaner hätten es nur übernommen, fast so wie bei uns und dem österreich-ungarischen Gulasch. Fortsetzung folgt…

Titelbild: Aufgenommen im Restaurant “La Cucaracha” Noel, Magdaly, Mama von Noel und Maggie (vlnr).

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One thought on “TAGEBUCH WOCHE 1

  1. Beate says:

    Liebe Maggie, sehr spannend so ein Tagebuch…… als wäre ich mit dir in Leon. Ich freu mich schon auf die Fortsetzung. Kopf hoch!! Du schaffst es
    !! Dein Traum wird wahr😚😄😄
    Glg Beate 😘

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